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Environmental Social Governance: Mehr als Green IT

Es geht um die Zukunft. Und darum, wie wir auf einem intakten Planeten künftig klimaschonend und fair wirtschaften wollen. Auch wir als Digitalisierungspartner fühlen uns verpflichtet, wirksam und wertschöpfend zu einer ökologisch und sozial nachhaltigen Zukunft beizutragen.

Das ist zugegeben nicht trivial. Wir alle wissen, dass das digitale Zeitalter vom Stromverbrauch bis zum Elektroschrott kein Musterknabe in ökologischen Fragen ist. Gleichwohl gibt es Stellschrauben, mit deren Hilfe auch wir an einer umweltfreundlicheren Lebensweise mitwirken können.

In diesem Kontext erreichen uns auch vermehrt Anfragen unserer Auftraggeber, wie es um unsere Environmental Social Governance (ESG) bestellt ist.

Denn Umweltbewusstsein ist längst kein Nischenthema mehr, sondern beeinflusst die Markenwahrnehmung und Kaufentscheidung von 85 % aller Verbraucher:innen in Deutschland. (1) Hinzu kommt das neue Lieferkettengesetz, das die deutsche Wirtschaft zu Sorgfalt in den internationalen Handelsbeziehungen verpflichtet. Dies umfasst neben sozialen Fragen auch ökologische Aspekte. (2)

In diesem Beitrag wollen wir unsere Bemühungen um eine nachhaltigere Wirtschaftsweise ehrlich und transparent vorstellen. Dabei geht es uns nicht darum, „Green Washing“ zu betreiben, sondern vielmehr um eine Bestandsaufnahme, aus der sich durchaus noch Verbesserungspotenziale ergeben können.

Jule Witte

Presse & Kommunikation
presse@micromata.de

Stromquellen und Stromverbrauch

Beginnen wir mit den ernüchternden Tatsachen. Die Digitalisierung ist ein Stromfresser. Zwar arbeiten Rechenzentren heute deutlich effizienter als noch vor 10 Jahren, jedoch hat sich der Strombedarf im selben Zeitraum praktisch verdoppelt – von 5,8 Milliarden kWh 2010 auf 10 Milliarden kWh 2020. Weitere 5,3 kWh schlagen für die Infrastruktur des RZ selbst zu Buche. Jedes moderne Großrechenzentrum hat in Summe also etwa den Stromverbrauch einer Kleinstadt – Tendenz steigend. (3)

Illustration grüne Erdkugel mit Blättern
Illustration Windrad auf grünem Hügel

Neue Energie für Wind und Sonne

Noch in den 90er Jahren war Deutschland ein geachteter Pionier auf dem Gebiet erneuerbarer Energien. Auch wir waren mit dem Forschungsprojekt Energiefrosch (heute als Enercast GmbH am Markt erfolgreich) Teil dieser Bewegung. Eine Mischung aus politischer Behäbigkeit, gesellschaftlichem Widerstand und wirtschaftlichen Partikularinteressen hat jedoch dazu geführt, dass wir diese Führerschaft eingebüßt haben und uns jetzt wieder mühsam und unter hohem Zeitdruck in die erste Liga zurückkämpfen. Vor diesem Hintergrund freuen wir uns natürlich, eine Solaranlage auf dem Dach zu haben. Müssen aber nüchtern zur Kenntnis nehmen, damit nur etwa 10 % unseres eigenen Strombedarfes decken zu können.

Das tut der Nachhaltigkeit unserer Stromversorgung jedoch keinen Abbruch, da der Strom, den wir von unserem lokalen Versorger beziehen, ebenfalls zu 100 % Ökostrom ist. Geheizt wird indes mit Fernwärme, die in Kassel einer Mischung aus Müllverbrennung und fossilen Energieträgern entstammt (Anteile schwankend).

Hardware & Entsorgung

Es gibt gute Gründe, stets mit der neuesten Hardware zu arbeiten – sei das die Rechenleistung, die IT-Security oder der Stromverbrauch. Gleichzeitig ist es wichtig, die darin verbauten Kunst- und Schadstoffe zu recyclen. Denn traurige Realität ist, dass der Elektroschrott aus Europa Stand heute oft nach Westafrika verschifft wird, wo er unter prekären Bedingungen in seine Einzelteile zerlegt oder verbrannt wird, Luft und Böden vergiftet und schwere gesundheitliche, häufig tödliche Folgen bei den dort Arbeitenden verursacht – oft sind es Kinder. Ein Ortsteil von Accra, Agbogbloshie, ist hier zu trauriger Berühmtheit gelangt. (4)

Illustration Maus und Tastatur Green IT Hardware
Cartoon Softwareentwickler schreibt Lean Code

Entwicklung & Design

Ja, es gibt so etwas wie Green Coding. Denn wir können durchaus dafür sorgen, dass unsere Software a.) ökonomisch programmiert ist und b.) ökonomisch operiert. Dazu gehören ein effizienter Code, eine nutzerorientierte Architektur und eine lange Lebensdauer. Das tun wir dafür:

Tools & Jobs: Wer dreht schon eine Schraube mit der Zange fest. Klar, dass Effizienz auch damit zu tun hat, für welche Aufgabe wir welches Werkzeug wählen und wie fachgerecht wir es dann nutzen. Bezogen auf die Welt der Softwareentwicklung ist das genauso. Statt etwas passend zu machen, was eigentlich nicht passt, wählen wir besser gleich die geeignete Programmiersprache, das richtige Framework, die besten digitalen Dienste – ob Bibliotheken, Datenbanken oder Cloud Services. Wichtig ist auch die Zukunftsfähigkeit der genutzten Tools und Technologien. Sofern die Anforderungen des Kunden es zulassen, verwenden wir am liebsten solche, die nachhaltig sind bzw. eine hohe Skalierbarkeit für künftige Erweiterungen mitbringen.


UX & Nutzerführung: Wenn Webseiten ewig brauchen, um zu laden, oder Nutzende ewig brauchen, um zu finden, was sie suchen, ist das nicht nur eine Verschwendung von Lebenszeit, sondern auch von Energie. Ein gutes User Experience Design berücksichtigt deshalb unbedingt auch die Gesetze der Effizienz: Ordnung, Intuitivität, Datensparsamkeit. Die zuvorige Komprimierung von Grafiken und Bildern versteht sich von selbst.


Betrieb & Datensuffizienz: Auch für den Betrieb gilt: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. So ist es beispielsweise deutlich suffizienter, mit Compilern und Cashes zu arbeiten, die möglichst nah am Endgerät (z. B. im Browser) liegen, statt bei wiederholtem Zugriff die Daten immer wieder neu zu laden. Das schont auch die Netzwerkumgebung: Je weniger überflüssige Hintergrunddienste laufen, desto besser die Datensuffi zienz. Diese spielt auch in der Cloud eine Rolle: Wo immer möglich, nutzen wir etwa die PaaS-Dienste der Cloud, um die Ressourcen der Rechenzentren effizienter zu nutzen und überflüssigen Verbrauch zu vermeiden.


Lean & Clean Code: Auch ein schlanker, aufgeräumter Code spart CO₂. Es ist wie in jeder Sprache: Entweder kommen wir von Hölzchen auf Stöckchen und nur auf Umwegen bzw. nach unnötigen Abschweifungen oder Redundanzen ans Ziel. Oder besser gleich zum Punkt. Denn selbst wenn Code auch Sprache ist, ist Software keine Literatur. Zumal Geschwätzigkeit hier CO₂-intensiv ist und unnötig Ressourcen strapaziert. Klarheit und Kürze sind vielmehr das Gebot: so viel wie nötig, so wenig wie möglich eben. Code sollte immer funktional, effizient und emissionsarm sein. Übrigens ein guter Grund, sich auf die Tugenden der Vergangenheit zu besinnen, in der uns schon allein die geringe Rechenkapazität und der wenige Speicherplatz von Computern zu schlankem Code diszipliniert haben. (5)

Lieferanten & Dienstleister

Als Softwarehaus ist Micromata kein Teil einer klassischen Lieferkette. Doch auch wir haben Dienstleister und Lieferanten, die wir wo immer möglich nach ökologischen und sozialen Kriterien auswählen. Das betriff t etwa das Catering, die Anschaffung von Ausrüstung, die Fertigung von Drucksachen und Give-aways. Relevant sind für uns dabei kurze Wege bzw. Lokalität, nachhaltige Produktion, biologischer Anbau.

Corporate Social Responsibility

Ökologische Nachhaltigkeit ist ohne soziale Nachhaltigkeit kaum zu erreichen. Das neue Lieferkettengesetz macht es deutlich: keine umweltfreundliche Produktion ohne menschenfreundliche Arbeitsbedingungen oder faire Handelsbeziehungen. Auch wir von Micromata wollen unserer sozialen Verantwortung gerecht werden – gegenüber unseren Kunden, unseren Mitarbeitenden und deren Familien sowie gegenüber der Gesellschaft, in der wir unseren Erfolg erwirtschaften und deren aktiver Teil wir sind. Schon seit unserer Gründung unterstützen wir deshalb gemeinnützige und kulturelle Projekte, vornehmlich an unserem Heimatstandort Kassel.

Besonders stolz sind wir ferner auch auf unserer Programm zur Spendenverdopplung, das wir ins Leben gerufen haben, um das soziale Engagement unserer Mitarbeitenden anzuerkennen und zu fördern. Seit diesem Jahr pflanzen wir zudem für jede:n neue:n Mitarbeiter:in einen Baum im Hessen Forst. Als kleinen Beitrag für einen zukunftsfähigen Wald.

Nachwuchsförderung

Zu unserem Verständnis von Nachhaltigkeit und Zukunftsperspektive gehört auch der Einsatz für den MINT-Nachwuchs. Das ist uns nicht nur Herzensangelegenheit, sondern ein wichtiger Beitrag zur Überwindung des Fachkräftemangels in unserer Branche. Was wir konkret tun, um junge Menschen für einen Beruf in der IT-Welt zu begeistern, lesen Sie zum Beispiel hier.

Umsetzungspartner für viele unserer Workshops sind die CodeKiste, die Universität Kassel, der FutureSpace Kassel, das IT-Netzwerk Nordhessen e. V. und der MINT Werra-Meißner-Kreis e. V. Auch ihnen gilt unser ausdrücklicher Dank für die tolle Kooperation!

Mobilität & Verkehr

Schiene: Dass der Hauptsitz von Micromata in der Nähe des Kasseler ICE-Bahnhofs liegt, ist ein Glücksfall, aber kein Zufall. So können wir unsere dienstlichen Reisen bequem mit der Bahn machen, die ihren Fernverkehr schon 2018 auf Ökostrom umgestellt hat. Dafür bekommen die betreffenden Kolleginnen und Kollegen selbstverständlich eine passende Bahncard. Direkt vor dem Haus befindet sich ferner eine Straßenbahnhaltestelle.


ÖPNV: Im Mai 2023 haben wir das klassische Jobticket durch das Deutschlandticket ergänzt. Die Mitarbeitenden haben seither die Wahl, welches von beiden besser zu ihrem individuellen Leben passt.


Zweiräder + Vierräder: Für den individuellen Personennahverkehr gibt es bei uns keine Leasingmodelle für Dienstwagen, sondern für E-Bikes. Darüber hinaus haben wir für alle passionierten Radler:innen im Keller neben Duschräumen auch eine Fahrradwerkstatt eingerichtet. Beim hessischen Wettbewerb „bike + business“ wurden wir dafür 2022 als fahrradfreundlicher Arbeitgeber ausgezeichnet sowie 2021 vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) mit Bronze. Hier sehen wie mittelfristig Potenzial für mehr. Unsere vier Micromata-Firmenwagen fahren alle elektrisch. Seit März 2023 befindet sich zudem eine E-Ladesäule auf unserem Parkplatz, die von allen Menschen genutzt werden kann, nicht nur von Mitarbeitenden. Wir verstehen das als unseren Beitrag zur Verbesserung der Ladeinfrastruktur und als Mutmacher für andere, Ja zum E-Auto zu sagen.

Illustration Lastenrad auf sonnigem Hügel

Fazit und Ausblick

ESG ist mehr als Green IT. Es ist eine kulturelle Entscheidung, die sich wie ein roter Faden durch alle Bereiche unserer unternehmerischen Praxis zieht. Als mit 170 Mitarbeitenden eher kleines Unternehmen haben wir es zugegeben vergleichsweise leicht, für soziale oder ökologische Belange zu sensibilisieren. Zumal unsere Kolleginnen und Kolleginnen vielfach von sich aus eine soziale und ökologische Grundhaltung mitbringen und unsere Maßnahmen in diesem Bereich gerne mittragen. Gleichwohl wollen und können auch wir uns kontinuierlich weiter verbessern. So wollen wir beispielsweise das Thema Automatisierung stärker vorantreiben, um unser Energiemanagement zu optimieren und unseren Verbrauch zu senken. Eine im Frühjahr neu gegründete Arbeitsgruppe lotet diese und weitere Möglichkeiten aus, wie wir noch mehr zu einer nachhaltigeren Zukunft beitragen können. Wir freuen uns darauf!