Blogpost vom 29. Juni 2020

Erfolgreich agil arbeiten. Teil I: Wahl der Methode

Entwicklerinnen programmieren am Arbeitsplatz

Agilität ist ein Zauberwort, aber kein Hexenwerk. In dieser dreiteiligen Serie über agile Projektmanagement-Methoden und Scrum als das bekannteste Framework, wollen wir den Nutzen noch einmal für alle skizzieren, die agiler werden wollen. Wir starten in diesem ersten Teil mit den allgemeinen Vorteilen, um uns dann in den Teilen 2 und 3 mit den mentalen Voraussetzungen und wichtigsten Zutaten zu befassen.

Teil eins: Agil oder klassisch, das ist hier die Frage!

Wann ist agil sinnvoll?

Jedes Projekt ist anders und hat damit andere Bedürfnisse an die gewählte Projektmanagement-Methode. Außerdem verändern sich Projekte manchmal im Zeitverlauf. Wer als Projektleiter*in an vorderster Front steht, weiß: Manchmal wird aus einem vermeintlich einfachen Projekt ein hochkomplexes. Die Wahl der richtigen Projektmanagement-Methode kann für den Projekterfolg entscheidend sein. Aber wann nehme ich welche?

Bei der Entscheidung sollte man zunächst betrachten, wie viel über die gewünschten Ergebnisse des Projekts bereits bekannt ist. Weiß ich schon, was die Software können soll? Habe ich schon eine Idee wie ich das umsetze?
Prinzipiell sei vorangestellt: Je komplexer das Themenfeld ist, desto besser eignen sich agile Vorgehensweisen. Sie ermöglichen es bei wechselhaften Bedingungen im Projekt kürzere Abstimmungszyklen einzubringen und z. B. neue Informationen im Projektverlauf einfließen zu lassen. Die empirische Vorgehensweise von agilen Projektmanagement-Methoden hilft dabei, komplexe Situationen zu untersuchen, aus den Ergebnissen zu lernen und die Erkenntnisse sofort in den weiteren Prozess mit einfließen zu lassen. Um mich für die passende Projektmanagement-Methode entscheiden zu können, werfe ich erstmal einen Blick auf mein Projekt und prüfe, in welcher Situation ist mich befinde.

Einfach
Sind die kausalen Zusammenhänge im Projekt offensichtlich und leicht zu durchschauen, können Best Practices angewendet werden. Einmal festgelegte Regeln zur Bearbeitung des Projekts finden immer wieder Anwendung, z. B. Checklisten. Agiles Projektmanagement ist nicht erforderlich.


Kompliziert
Sind die Anforderungen im Projekt kompliziert, nicht alle Wechselwirkungen auf Anhieb ersichtlich und für manche Bereiche ggf. Prüfungen oder Analysen erforderlich, gilt auch hier die Devise: Agiles Projektmanagement ist nicht erforderlich. Hier gilt es, das Thema zu analysieren, einen Plan zu machen und diesen umzusetzen. Denn die Bedingungen werden sich im Projektverlauf nicht mehr ändern. Hier kann z. B. das klassische Wasserfall-Modell zum Einsatz kommen.


Komplex
Handelt es sich um komplexe Anforderungen mit wechselnden Bedingungen und Informationen, die erst im Projektverlauf erarbeitet werden müssen, kommt agiles Projektmanagement ins Spiel. Man spricht in diesem Fall von Emergent Practices, denn die Vorgehensweise wird im Projektverlauf erarbeitet. Hier kann z. B. Scrum mit seiner Einteilung in Sprints wunderbar eingesetzt werden.


Chaotisch
Ist die Anforderungslage so chaotisch, dass keinerlei Kausalitäten erkennbar sind und sich das Projektteam praktisch im Blindflug bewegt, so ist auch bei der Projektsteuerung Improvisation gefragt – wir nennen das Triage: Gehe in kleinen Schritten vor und agiere so, wie die jeweilige Situation es erfordert – und nicht, wie das Lehrbuch es vorschreibt. Probiere stattdessen Dinge aus, werde innovativ. Hier kann z. B. Kanban als agile Methode zum Einsatz kommen, um maximale Freiheit für die Reaktion auf neue Informationen und Bedingungen zu bieten und sicherzustellen, dass die wichtigsten Aufgaben zuerst bearbeitet werden.


Exkurs: Unterschied zwischen kompliziert und komplex

Oft werden beide Begriffe synonym verwendet, was nicht ganz korrekt ist. Denn als „kompliziert“ werden Umstände oder Systeme bezeichnet, deren Zustand von mehreren Faktoren beeinflusst wird, welche zwar nicht auf den ersten Blick ersichtlich sein mögen, bei genauerem Hinsehen aber durchaus verständlich sind. Von „komplexen“ Systemen sprechen wir dann, wenn diese Faktoren auch bei genauem Hinsehen nicht restlos verstanden oder antizipiert werden können, weil sie entweder erst in der Zukunft eintreten, selbst von unbekannten Größen beeinflusst werden oder ihrerseits in unbekannter Wechselwirkung zueinander stehen.

Fazit

Für jede Projektsituation gibt es die richtige Projektmanagement-Methode. Welche das ist, hängt stark vom Komplexitätsgrad eures Projektes ab. Wählt weise!

Hier gehts zu Teil zwei und Teil drei der Blogserie.