Stéphanie Naujock zur 35-Stunden-Woche

Stéphanie, die 35-Stunden-Woche ist eine Herzensangelegenheit von dir. Warum?

Wir wollen eine Arbeitskultur gestalten, die nicht nur die Motivation und das Engagement der Mitarbeitern großschreibt, sondern auch ihr Wohlbefinden erhalten will. Wir möchten ein Umfeld schaffen, in dem unsere Mitarbeiter ihr Potenzial voll entfalten können und dabei langfristig gesund und munter bleiben. Die 35-Stunden-Woche ist da nur der jüngste Schritt in einer ganzen Reihe von Maßnahmen für eine austarierte Work-Life-Balance.

Welche Maßnahmen gibt es denn noch?

Ein allgemein sehr flexibles Arbeitsmodell zum Beispiel, das den Mitarbeitern von Teilzeit und Gleitzeit über Remote Office bis hin zu Sabbaticals einen hohes Maß an eigenem Gestaltungsfreiraum zubilligt. Hinzukommen ein Eltern-Kind-Büro, persönliche Coachings und Resilienzworkshops auf Helgoland. Außerdem bieten wir jedem Mitarbeiter eine Krankenzusatzversicherung, die auch Leistungen umfasst, die nicht von den Krankenkassen übernommen werden. All diese Angebote zielen darauf ab, die Gesundheit und das mentale Wohlbefinden unserer Mitarbeiter zu stärken und ihre Arbeitskraft langfristig zu erhalten.

Zurück zur 35-Stunden-Woche. Die Arbeit wird ja nicht weniger, nur weil die Arbeitswoche kürzer ist …

Ja, das ist ein verbreitetes Argument gegen kürzere Arbeitszeiten: Das ohnehin schon hohe Arbeitspensum müsse so in noch weniger Zeit bewältigt werden – der Stress nehme also zu, und nicht ab.
Jüngste Studien zeichnen derweil ein anderes Bild – zumindest in Berufen mit viel Bildschirm- und Kopfarbeit: Hier ist die Ursache von Stress häufig nicht die Arbeit selbst, sondern eine ungesunde Arbeitskultur. Wenn man den Experten auf dem Feld der Arbeitspsychologie glauben darf, sind starre Strukturen, Mobbing und Machtspielchen die eigentlichen Stressoren – und die gibt es bei Micromata ohnehin fast gar nicht.

Unsere Umfrage im Dezember 2020 hat gezeigt, dass die 35-Stunden-Woche bei 80 % unserer Mitarbeitenden positiv zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie beiträgt und so den Stress unserer Mitarbeiter deutlich mindert. Gleichwohl lassen wir es nicht dabei bewenden. Wir wollen im Gegenteil möglichst allen im Unternehmen gerecht werden und müssen jetzt genau hinschauen, wo bei den verbleibenden 20 % der Schuh noch drückt und wie wir da gezielt unterstützen können. Auch deshalb verlängern wir die Pilotphase um ein weiteres Jahr. In dieser Zeit und darüber hinaus wird das Thema gewissenhaft von den Kolleg:innen aus dem Personalteam, der Mitarbeitervertretung und der Geschäftsführung begleitet.

Wie hat sich Corona in diesem Kontext bemerkbar gemacht?

Insbesondere für Eltern ist das Austarieren von Home Office und Home Schooling im Corona-Lockdown oft ein echtes Problem. Zwar gibt der Gesetzgeber Hilfestellung, etwa mit der Ausweitung der Kinderkrankentage, was wir sehr begrüßen. Aber das allein ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Vor diesem Hintergrund ist die 35-Stunden-Woche ein zusätzlicher entlastender Faktor. Ein Beispiel: Wer gleich mehrere Kinder im schulpflichtigen Alter hat, die entweder in verschiedene Klassen oder gar auf verschiedene Schulen gehen, macht derzeit die schmerzliche Erfahrung, dass es vielfach keine klaren digitalen Strategien für den Fernunterricht gibt, dass vielmehr jede Schule und jeder Lehrer sein eigenen Süppchen kocht. Allein das bringt einen so erheblichen Mehraufwand im Alltag mit sich, dass die 35-Stunden-Woche auch in diesem Kontext ein echter Segen sein kann.

Apropos Gesundheit: Die braucht neben einem gesunden Geist ja auch einen gesunden Körper …

Richtig. Es heißt leider zu Recht, Sitzen sei das neue Rauchen. Und in der Tat sind durch langes Sitzen verursachte Rückenschmerzen heute ein Volksleiden, das auch vor unseren Toren nicht Halt macht. Zwar gelingt es uns, mit ergonomischen Arbeitsplätzen und Sportangeboten wie Rückengymnastik, Klettern oder Yoga dagegenzuhalten. Da all das corona-bedingt derzeit ruhen muss, ist jeder von uns herzlich eingeladen, auf eigene Faust etwas für den Körper zu tun. Deshalb freut es uns, dass viele unserer Mitarbeiter die durch die 35-Stunden-Woche frei gewordene Zeit auch für Bewegung und Gesundheitspflege nutzen – so unterschiedlich und individuell das im Einzelfall aussehen mag.

Stéphanie, herzlichen Dank für das Gespräch!

Hier der Pressetext und die Interviews mit den anderen beiden Geschäftsführenden zum Thema:

Jule Witte

Jule Witte

Presse & Kommunikation
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