Kai Reinhard zur 35-Stunden-Woche

Kai, du bist nicht nur der CEO, sondern ein echtes Micromata-Urgestein. Was sagst du zum 35-Wochenstunden-Pilot bei Micromata?

Finde ich super, nicht nur als Pilot – sondern auch, weil ich selbst mit einer 30-Stunden-Woche bei Micromata begonnen habe, als mein Nachwuchs noch klein war. Das habe ich als eine sehr ausbalancierte und effiziente Zeit in Erinnerung. Ich war überdies schon immer der Überzeugung, dass es bei der Arbeit nicht darauf ankommt, möglichst viele Stunden „abzureißen“, sondern darauf, dass wir Freude bei der Arbeit haben. Wenn das der Fall ist, erreichen wir unsere Ziele auch in kürzerer Zeit – meiner Erfahrung nach auch mit den besseren Ergebnissen. Die 35-Stunden-Woche setzt diese Überzeugung in konkrete Arbeitskultur um.

Mit der Freude an der Arbeit steigt natürlich auch die Gefahr, zu viel zu arbeiten …

Ja in der Tat. So haben wir zum Beispiel sehr viele Softwareentwickler, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben – und vielfach fast vergessen, dass es auch ein Job ist. Natürlich wollen wir dieses Engagement nicht bremsen, sondern sehen in der 35-Stunden-Woche vielmehr ein Instrument, dieses langfristig zu erhalten. Denn wer für etwas Feuer und Flamme ist, läuft sonst Gefahr, schnell auszubrennen. In meiner Freizeit programmiere ich übrigens heute noch gern und halte mich mit Open-Source-Projekten fit.

Hört sich an wie Rock’n Roll: Live fast, die young …

Hoffentlich nicht! Denn das ist ja etwas Kostbares und Lebenswertes: Feuer und Flamme für seinen Beruf zu sein. Viele Menschen arbeiten für den Broterwerb, die Frage nach persönlicher Erfüllung stellt sich für sie erst gar nicht. Dabei würden wir allen wünschen, dass es ihnen so geht wie uns: so verliebt in das eigene Tun zu sein, dass sie gar nicht merken, dass es Arbeit ist. Als Programmierer kenne ich das selbst: den Ehrgeiz, ein kniffliges technisches Problem zu lösen, die Nächte ohne Speis und Trank, angetrieben durch körpereigene Endorphine, durchzutüfteln und im Morgengrauen das großartige Gefühl zu haben: Das hast du jetzt richtig sauber gelöst, mein Freund! Sowas macht einfach total glücklich!

Heute – hoffentlich nicht nur älter, sondern auch weiser geworden – würde ich meinem jüngeren Ich zurufen: Hab Spaß, hau rein – aber denk auch an deine Gesundheit: genug Bewegung, ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf. Denn um der Wahrheit genüge zu tun: Auch wenn ich mich nach einer durchgetüftelten Nacht gefühlt haben mag wie der letzte Held im Nerduniversum, so muss ich doch neidlos anerkennen, dass Menschen mit ausgeruhtem Köpfchen auch auf die richtige Lösung gekommen wären – und das sogar viel schneller und ohne dabei trunken vor Übermüdung zu sein. Ihr wisst, was ich meine …

Kommst du als CEO selbst mit 35 Stunden pro Woche aus?

Laut jüngster Studien ist ja alles, was über einen 6-Stunden-Arbeitstag hinausgeht, vertane Liebesmüh – die Konzentration nimmt ab, das Denkvermögen stagniert, die Fluchtinstinkte nehmen zu. So gesehen bin ich ein hoffnungsloser Fall. Nein, im Ernst: Als Geschäftsführer trage ich natürlich eine besondere Verantwortung und möchte gern mit gutem Beispiel vorangehen – was mir mal besser und mal schlechter gelingt. Meine Arbeitszeit konnte ich erfolgreich reduzieren, mit dem Ergebnis einer besseren Work-Life-Balance – auch Dank lieber Menschen in meinem Umfeld, die auf mich acht geben.

Kai, wir danken dir für das Gespräch!

Hier der Pressetext und die Interviews mit den anderen beiden Geschäftsführenden zum Thema:

Jule Witte

Jule Witte

Presse & Kommunikation
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