Alexander Podlich zur 35-Stunden-Woche

Alex, als Geschäftsführer mit einer langen Erfahrungsgeschichte im Projektmanagement steht für dich stets der Projekterfolg im Fokus. Ändert sich da irgendetwas durch die 35-Stunden-Woche?

Die 35-Stunden-Woche ist ja zunächst ein Pilot und eine Investition in die Zukunft unserer Mannschaft. Zum einen hoffen wir, damit einen sinnvollen Beitrag zum langfristigen Erhalt ihrer Arbeitskraft zu leisten, zum anderen wollen auch wir auf einem hart umkämpften Arbeitsmarkt die besten Köpfe an uns binden. Und davon profitieren natürlich die Projekte, die auch weiterhin die besten Leute verdient haben. Wir leben ja seit Anbeginn davon, immer wieder die engagierten, hochtalentierten und kreativen Köpfe für uns als Mitarbeiter gewinnen zu können. Das ist gut für die Projekte, die Mitarbeiter und die Nachhaltigkeit unseres Erfolgs.

Bei hochqualifizierten Arbeitskräften ist inzwischen die Work-Life-Balance ein wichtiges Kriterium, sich für einen Arbeitgeber zu entscheiden. Neben individuellen Entwicklungsmöglichkeiten und Gehalt spielen heute zunehmend auch Faktoren wie Arbeitsatmosphäre, Kollegen und Gesundheit eine Rolle. Darauf stellen wir uns gerne ein. Dass gesunde und erholte Mitarbeiter überdies auch frischer, kreativer und effizienter zu Werke gehen als diejenigen, die stets auf Notstrom fahren, muss nicht eigens erklärt werden.

Aber wie gesagt, wir befinden uns noch in der Pilotphase. Solange diese andauert, wollen wir ganz genau hinschauen, wo sich unsere Hoffnungen erfüllen und wo noch nachgesteuert werden muss.

Führt das zu Abstimmungsproblemen in den Projekten?

Nein. Wir haben schon immer viele Teilzeitkräfte, darunter auch Kollegen mit Führungsverantwortung, die dank einer guten Organisation eine hervorragende Arbeit leisten. Und da wir die 35-Stunden-Woche ohnehin mit Gleitzeit, der Möglichkeit von Überstunden und Rufbereitschaft kombinieren sowie innerhalb der Teams weiterhin für einen fließenden Know-how-Transfer sorgen, hat das keine Auswirkung auf unsere Projekte. Das letzte Jahr hat bereits gezeigt, dass es weiterhin sehr gut funktioniert.

Im Übrigen verstehen wir die 35-Stunden-Woche auch als Anreiz, weiter an unserer Effizienz zu feilen und genau hinzuschauen, an welchen Stellen bei uns noch unnötige interne Reibungsverluste auftreten oder wo wir Latenzen reduzieren können. Und natürlich spielt Selbstverantwortung eine große Rolle.

Was ist mit den üblichen Hauptlastzeiten?

In der Tat verzeichnen wir immer im letzten Drittel des Jahres einen deutlichen Anstieg des Arbeitsvolumens – bedingt durch das Weihnachtsgeschäft unserer Kunden und die dadurch steigenden Nutzerzahlen auf der Software, die wir verantworten. Aber auch hier sind wir entspannt, weil unsere elastischen Arbeitszeitmodelle auch in solchen Zeiten ein hohes Maß an Flexibilität ermöglichen.

Gibt es andere Herausforderungen, die es noch zu meistern gilt?

Die gibt es immer, wir alle lernen ja zeitlebens dazu. So geht es uns zum Beispiel beim Thema Abgabefristen wie vielen tausenden anderen Menschen: auf der Zielgeraden kann es schon mal hektisch werden. Und ja, auch wir reißen gelegentlich die Deadline. Doch das ist weder ein Naturgesetz noch eine unheilbare Krankheit. Und was dagegen hilft, haben wir auch längst identifiziert: eine noch bessere Kommunikation im Team, auch mit dem Kunden.

Gibt es irgendwelche Wechselwirkungen der 35-Stunden-Woche mit der Corona-Pandemie?

Die Corona-Pandemie ist auf so vielen Ebenen eine Herausforderung. Neben den systemrelevanten Berufen, die jetzt doppelt belastet werden und den Branchen und Bereichen, die hart vom Lockdown betroffen sind, sind es insbesondere Familien mit Kindern, die unter der Situation zu leiden haben. Die 35-Stunden-Woche erweist sich hier als eine Art „Glück im Unglück“, weil sie unseren Mitarbeitern zusätzlichen Spielraum gibt, die Erfordernisse von Home Office und Home Schooling unter einen Hut zu bekommen.

Was wir sonst noch tun, um unseren Micromaten das Austarieren von Beruf- und Privatleben zu erleichtern, erzählt übrigens meine Kollegin in der Geschäftsführung Stéphanie Naujock in ihrem Interview zur Sache.

Wie wird sich das deiner Meinung nach langfristig auswirken?

Schon jetzt können wir sagen, dass unsere Besprechungskultur effizienter geworden ist. Zudem verzeichnen wir eine noch deutlichere Fokussierung auf das Wesentliche und eine noch höhere Verbindlichkeit bei Umsetzung und Priorisierung der vereinbarten Ziele. Das Verantwortungsgefühl des Einzelnen ist bei uns ohnehin immer schon ausgeprägt.

Aber natürlich gibt es weiterhin Verbesserungspotenzial, noch ist nicht alles und überall perfekt gelöst. Was wir zum Beispiel noch ausbauen können, ist der Wissenstransfer zwischen den Teams. Denn jedes Team und jedes Projekt hat seine eigenen Best Practices. Hier gilt es, im zweiten Pilotjahr noch genauer hinzuschauen und voneinander zu lernen.

Alex, vielen Dank für das Gespräch!

Hier der Pressetext und die Interviews mit den anderen beiden Geschäftsführenden zum Thema:

Jule Witte

Jule Witte

Presse & Kommunikation
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