UX-Design

Mit UX-Design zu nutzerzentrierten Softwarelösungen

Sebastian Ammermüller und Julia Reuter aus dem UX-Team von Micromata stecken die Köpfe zusammen

Die digitale Welt verursacht analoge Haltungsschäden. Diese Weisheit aus dem Netz ist so kurz wie halbwahr, denn natürlich kann man sie mit einem guten Bürostuhl, einem großen Bildschirm und auch mit den Mitteln einer ergonomischen Oberflächengestaltung weitgehend entkräften.

Aber was ist eine ergonomische Oberflächengestaltung? Um den Ansprüchen des Nutzers an ein User Interface (UI) auf die Spur zu kommen, helfen die Mittel des User Experience Design (UX). Sie dienen dazu, die tatsächlichen Nutzererfahrungen im Umgang mit einer Webseite messbar zu machen und, basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen, die Interaktion zwischen Mensch und Maschine zu optimieren. Es geht also im Wesentlichen darum, aus dem Verhalten eines Anwenders dessen Bedarf zu ermitteln und mit diesem Wissen nutzerfreundliche Webapplikationen zu bauen.

Als Pionier und Vordenker der „User Experience“ gilt heute Vitruvius Maximus, kurz Vitruv, der seinerzeit im Auftrag Cäsars Kriegsgerät entwickelt hat und als Architekt bzw. Ingenieur u. a. für das Wassernetz im Alten Rom verantwortlich war. Seine drei Architekturbegriffe Firmitas (Festigkeit), Utilitas (Nützlichkeit) und Venustas (Emotion, Schönheit), erlangten nicht nur durch das Leonardo-da-Vinci-Gemälde „Der vitruvianische Mensch“ weltweite Berühmtheit, sondern sind heute auch die wesentlichen Kernbegriffe der Webarchitektur und Grundvoraussetzungen einer positiven Nutzererfahrung im Umgang mit dem Internet.

Standardisierte Methoden im UX-Design

Der Begriff der „User Experience“, kurz UX, wird zudem in der DIN-Norm EN ISO 9241-210 beschrieben und ist damit Teil einer internationalen Richtlinie, die die ergonomischen Grundbedingungen im Umgang von Mensch mit Computer standardisiert. Auch wir legen großen Wert auf die Gebrauchstauglichkeit (Usability) seiner Softwareanwendungen und haben seit Mitte 2011 ein kompetentes UX-Team aufgebaut.

Modernste Methoden im UX-Design liefern uns einen brauchbaren und erprobten Baukasten, um herauszufinden, ob eine Anwendung funktioniert wie sie soll und um die nutzerseitigen Anforderungen an eine Applikation zu ermitteln. Was mit Eye-Tracking-Studien zu größerer Bekanntheit gekommen ist (Wie erfasst der Nutzer eine Seite visuell? Wie verläuft sein Blick? Was übersieht er? Wo verweilt er?) bietet inzwischen viele weitere Untersuchungsverfahren, die aus den Bereichen Verhaltenssoziologie und -psychologie entlehnt und wissenschaftlich fundiert sind.

UX-Design ist Teamwork

Fokusgruppen

Vertreter der Nutzerzielgruppe erörtern die Anforderungen an eine Anwendung mittels eines moderierten Dialoges über fachliche Erfordernisse, Wünsche, Erwartungen und die Erfahrungen aus der Vergangenheit.

Prototyping

Ein Prototyp ist ein Modell einer Webseite und hilft, Designkonzepte oder Navigationsstruktur einer Website zu visualisieren. Dies erleichtert die Kommunikation im Projekt und ermöglicht die frühzeitige Überprüfung.

Think-Aloud-Protokoll

Testnutzer klicken sich durch den Prototyp einer Anwendung und sind aufgefordert, dabei laut zu denken. Ermittlungsziel: Wie schnell vermittelt sich dem User Sinn, Konzept und Zweck dieser Seite? Was muss verbessert werden?

Personas

Um sich verschiedenen Nutzertypen und ihre Erwartungen an eine Webanwendung zu vergegenwärtigen, helfen Personas. Diese repräsentieren die Nutzerzielgruppe und sind mit individuellen Persönlichkeitsmerkmalen ausgestattet.

A-B-Tests

Die neue Webseitenversion wird gegen die alte getestet und dabei verglichen, wie lange die User jeweils brauchen, um sich durch die Anwendung zu klicken, wie viele die Anwendung vorzeitig schließen und wie viele den Gesamtvorgang tatsächlich beenden.

Mental Models

UX-Experten befragen potentielle Nutzer zu einem spezifischen Webseitenanwendungsfall. Ziel ist es, der Nutzermentalität auf den Grund zu gehen und herauszufinden, wie diese die Vorstellung darüber prägt, wie eine Anwendung zu funktionieren hat.

Card Sorting

Probanden erhalten einen ungeordneten Stapel von Karten, der Begriffe für den Navigationsbaum einer Webanwendung enthält, mit der Aufgabe, diese in eine für sie sinnvolle Reihenfolge zu bringen.


UX-Design macht Industriesoftware erfolgreich

Im Gegensatz zu B-to-C-Portalen wie etwa bei Social Networks, Onlinehandel oder Reiseanbietern, deren Nutzerlandschaft sehr heterogen ist, werden die Applikationen bei uns für branchenspezifische Geschäfts- oder Produktionsprozesse geschrieben und ausschließlich von Fachpersonal genutzt. Industriesoftware, wie wir sie entwickeln, zeichnet sich durch große fachliche Komplexität aus. Umso wichtiger ist es, die passenden UX-Verfahren so früh wie möglich in den Softwareentstehungsprozess einzubinden. Denn nur, wer die Erkenntnisse von UX bereits in die Idee einer Software und in ihren Bauplan miteinfließen lässt, hat am Ende ein perfekt sitzendes Produkt.

Moritz Fröhner

Moritz Fröhner

Head of UX-Design