UX-Design

Design Sprints. In fünf Tagen von der Idee zum Prototyp

: Tobias Marx und Julian Mengel wissen, wie man mit Design Sprints gute Ideen effizient evaluiert und in passgenaue Software umsetzt.

Design Sprint bei Micromata

Gut Ding will Weile haben. … Das mag für Whiskey gelten. Für Softwareprojekte gilt eine andere Zeitrechnung. Wir behaupten sogar: Gut Ding kann Eile gut vertragen. Je kürzer die Time to Market, desto höher der ROI eines Softwareprojektes. Und eine gute Idee kann in nur fünf Tagen entwickelt, auf Tauglichkeit geprüft und als Prototyp oder Minimal Viable Product realisiert werden. Das Mittel zum Zweck: Design Sprints.

Nehmen wir an, Sie haben eine Idee. Und Sie wollen wissen, ob es sich dabei um eine gute Idee handelt, die Ihr Unternehmen substanziell und nachhaltig voranbringt. Was Sie nämlich gar nicht gebrauchen können, ist ein Strohfeuer, das ebenso schnell verbrennt, wie es aufgelodert ist, oder schlimmer noch, ein finanzielles Desaster.

Wie gehen Sie also vor? Wie finden Sie heraus, ob Ihre Idee trägt? Wie bewerten Sie die Erfolgschancen und wie das Risiko?

Der klassische Weg zum MVP und seine Grenzen

Das klassische Vorgehen beim Erstellen eines Minimal Viable Products sieht vor, möglichst früh mit der technischen Realisierung zu beginnen, um nicht im Vorfeld unnötig Zeit zu verlieren.

Wir Design Sprinter sehen das anders. Was Sie am Anfang zu sparen vermeinen, kann Sie am Ende teuer zu stehen kommen. Denn ein vorschneller Aktionismus birgt die Gefahr, dass Sie sich im Blindflug bewegen, ohne vorher die fachlich-technischen Erfordernisse in Gänze ausgelotet oder die Bedürfnisse der Anwender im Detail abgefragt zu haben. Die Folgen: hohe Fehlerquoten, unvorhergesehene Aufwände, Verzug.

Besser: ein testbarer Prototyp

Was Sie stattdessen brauchen, ist Verlässlichkeit und Effizienz. Verlässlichkeit, dass die fertige Software hält, was ihre initiale Idee verspricht. Und Effizienz in der Realisierung, so dass die Software schnell an den Markt und der Return-on-Investment beginnen kann.

Wir empfehlen deshalb einen testbaren Prototyp. Dieser lässt sich im Zeitraum von fünf Tagen effizient entwickeln, testen, bewerten und verbessern. Und zwar mit den Mitteln des Design Sprints.

Wie funktioniert ein Design Sprint?

 

Oft wird die Produktidee erst durch das Erstellen eines MVP validiert (Abb. 1). Beim Design Sprint wird die Validierung der Implementierung vorweggenommen (Abb. 2). Voraussetzung ist die Idee selbst. Anhand dieser wird der Design Sprint unter Berücksichtigung folgender Regeln aufgesetzt und durchgeführt.

  • Teamrekrutierung: Das ideale Team für einen Design Sprint besteht aus 7 bis 9 Personen (ein Verantwortlicher und mehrere Experten, z. B. aus den Bereichen Marketing und Vertrieb, Finanzen, UX Design und Technik bzw. Logistik)
  • Vorbereitung und Equipment: Schaffen Sie passende Rahmenbedingung – von A wie Ambiente und Ausstattung bis Z wie Zubehör
  • Wichtig: Ausreichend Snacks und Getränke! Unterzuckerte Design Sprinter braucht kein Mensch!
  • Verboten: Handys, Tablets und Laptops. Das Team konzentriert sich nur auf den Design Sprint! Jede Ablenkung schadet dem Workflow.

Ein typischer Arbeitstag im Büro sieht oft so aus….

 

Der Arbeitstag in einem Design Sprint sieht wie folgt aus…

Die Anatomie des Design Sprints

Anatomie Design Sprint

Tag 1: die Fragestellung verstehen

Am ersten Tag sollten alle Beteiligten die Frage- bzw. die Aufgabenstellung verstehen. Anschließend werden die Ziele des Sprints festgelegt. Die Schaffung eines gemeinsamen Verständnisses der Aufgabe steht im Mittelpunkt.

Tag 2: Lösungsansätze finden

Am zweiten Tag werden Lösungsansätze skizziert, die die Aufgabenstellung vom Vortag lösen. Im Gegensatz zum Brainstorming arbeiten wir hier nicht in Gruppen, sondern einzeln. Dabei sind alle Teilnehmer gefragt, um möglichst viele Lösungsansätze zu skizzieren.

Tag 3: eine Entscheidung treffen

Am dritten Tag ermitteln die Teilnehmer die besten Ideen und erarbeiten User Stories für diese. Dazu empfiehlt es sich, den Teilnehmern Sticker zu geben, die sie auf die von ihnen favorisierten Lösungen kleben. Damit gibt jeder seine Stimme für die von ihm favorisierte Lösung ab. So entstehen „Heatmaps“, die besten Ideen sind durch die meisten Sticker gekennzeichnet. Aus ihnen wird am Nachmittag ein Storyboard entwickelt. Dabei können auch mehrere Lösungen kombiniert werden. Wichtig ist, dass die gewählten Lösungen am nächsten Tag in einen Prototyp umgesetzt werden können.

Tag 4: einen Prototyp bauen

Am vierten Tag werden aus den vorher entwickelten Storyboards Prototypen entwickelt, die später von Nutzern getestet werden. Die Prototypen sollten sich möglichst real anfühlen, um von den Testern ein realistisches Feedback zu erhalten.

Tag 5: das Ergebnis prüfen

Am letzten Tag werden der oder die Prototypen bisher unbeteiligten Nutzern vorgeführt. Idealerweise sind das Menschen außerhalb des Unternehmens, die im besten Fall bisher keine Erfahrungen mit dem jeweiligen Produkt sammeln konnten. Durch gezielte Fragestellung und User Feedback können Ideen bestätigt oder zu verbessernde Punkte im Konzept identifiziert werden.

Vorteile von Design Sprints im Überblick

  • Schnelle Entscheidungswege, da alle Entscheider am Sprint teilnehmen
  • Schnell validierte Entscheidungsgrundlage nach nur fünf Tagen
  • Kalkulierbare Kosten durch begrenzten Zeitaufwand
  • Innovative Lösungen durch interdisziplinäre Teams

Fazit

Gegenüber dem klassischen Brainstorming liefert ein Design Sprint innerhalb von fünf Tagen wertvolle Ergebnisse über einer Idee, die auch gleich von der betreffenden Zielgruppe getestet wurde. Je nach Ergebnis kann direkt im Anschluss mit der Umsetzung gestartet werden.

Sollten die Auswertung der Nutzertests ergeben, dass die Idee nicht tragfähig ist kann mit den Erkenntnissen aus den Nutzertests eine modifizierte Lösung entwickelt werden. Die frühe Evaluation bei einem Design Sprint bietet den Vorteil, das Entwicklungskosten erst dann anfallen, wenn die Produktidee mit potentiellen Nutzern evaluiert und der Mehrwert durch potentielle Kunden bestätigt wurde.

Tobias Marx und Julian Mengel, UX-Designer

+++++

Empfehlung der Redaktion: Eine gute Möglichkeit, das Look & Feel einer Software optimal zu gestalten, ist das User Story Mapping. Hier lesen Sie einen Blogbeitrag dazu.

 

Julian Mengel

User Experience Designer