Individual- oder Standardsoftware?

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Sehen Sie auch unseren TECH TALK zum Thema: Mit unseren Expert:innen Isabelle Lüdenbach, Dr. Andreas Witsch und Gero Auhagen.

Moderne Software ist eine Investition in die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Umso entscheidender ist es, in eine Lösung zu investieren, die perfekt zum Geschäftsfall passt. Und das nicht nur heute, sondern langfristig.

Die grundsätzliche Frage ist: Welche Art von Software ist für den abzubildenden Fall die richtige: eine Standardsoftware oder eine individuelle Lösung? Es folgt eine kurze Gegenüberstellung von Individual- und Standardsoftware, die eine Orientierungshilfe bietet und mit der ein oder anderen Denkgewohnheit aufräumt.

Kosten

Im Vergleich zu einer individuellen Lösung gilt Standardsoftware oft als günstiger in der Anschaffung. Schließlich kauft der Kunde ein fertiges Produkt. Aber stimmt das?

Passt der Standard direkt „von der Stange“ zum abzubildenden Prozess, stimmt das. Gleichwohl ist das nicht immer der Fall. Insbesondere dann nicht, wenn der betreffende Prozess oder Business Case sehr speziell und wenig standardisiert ist. Das gilt es, zunächst sorgfältig zu prüfen – hinsichtlich Features und Funktionen ebenso wie hinsichtlich der Passung an bestehende IT-Landschaften, Stichwort Schnittstellen.

Sofern hier Anpassungen nötig und möglich sind, steigen – Sie ahnen es – auch bei Standardsoftware die Kosten. Zudem sind hier oft Features verbaut, für die im konkreten Anwendungsfall gar kein Bedarf besteht, die aber mitbezahlt werden müssen. Hinzukommen Lizenzkosten, die je nach Umfang der Nutzung richtig hoch sein können – so dass auch hier sorgfältig kalkuliert werden sollte, ob der Kostenvorteil bei der Anschaffung dem standhält.

Wenn man also die Total Costs of Ownership (TCO) betrachtet, ist keinesfalls gesagt, dass Standardsoftware grundsätzlich günstiger ist. Es empfiehlt sich immer eine genaue Prüfung im Vorfeld.

Passgenauigkeit

Um die oben genannten Anpassungskosten zu vermeiden oder zu minimieren, wird im Falle der Standardsoftware häufig nicht die Software an die bestehenden Prozesse angepasst, sondern umgekehrt die Prozesse an die Standardsoftware. Ob das sinnvoll oder überhaupt praktikabel ist, ist von Fall zu Fall unterschiedlich und hängt von diversen Faktoren ab – sei das der Standardisierungsgrad des Einsatzgebietes, die Heterogenität des Unternehmens oder der Nutzergruppe, die Abhängigkeit zu anderen Teilprozessen und Drittsystemen bzw. die Komplexität der Prozesse selbst.

Hier hat die individuelle Lösung insofern „die Nase vorn“, dass hier nichts Unpassendes passend gebogen werden muss, sondern weil die Software hier „from scratch“ auf einen bestehenden eingespielten Prozess maßgeschneidert werden kann.

Außerdem: Sobald Standardsoftware angepasst wird, verschwimmt natürlich auch die Grenze zwischen Standard- und Individuallösung. Schon deshalb, weil die Anbieter von Standardsoftware durchaus die Möglichkeit vorsehen, ihr Produkt zu customizen – innerhalb der Grenzen dieses Standards, versteht sich.

Wettbewerbsvorteil und Mehrwert

Kommen wir zum Thema Wettbewerb. Wenn alle die gleiche Software benutzen, hat keiner einen Wettbewerbsvorteil. Dieser entsteht dann, wenn sich aus der Software ein Alleinstellungsmerkmal ergibt. Eine Software ist nur dann eine intelligente Investition, wenn sie einen Marktvorteil generiert. Idealerweise bildet sie einen Prozess darum nicht nur ab, sondern denkt ihn weiter – hinsichtlich Praktikabilität, Wirtschaftlichkeit und Zukunftsfähigkeit. Stellschrauben für einen Wettbewerbsvorteil durch Digitalisierung können sein:

  • Usability: Nichts zahlt auf die Akzeptanz und den Erfolg einer Software mehr ein als ein positives Anwendungserlebnis. Eine logische, verständliche und sinnvolle Nutzungsführung ist dabei nur das Minimum. Ebenso wichtig ist ein Design, das den Anwender:innen Lust auf eine wiederholte Nutzung macht und diese möglichst verstetigt.
  • Performance: Die Rechenleistung ist ein zentraler Erfolgsfaktor und entscheidend für die Wertschöpfung. Je performanter eine Software läuft, desto besser nicht nur das Nutzungserlebnis, desto höher auch die Zahl der gleichzeitig ausführbaren Zugriffe. Applikationen, die nicht schnell laden oder sich nicht vollständig aufbauen, sind ein ernstes Risiko für den Markterfolg.
  • Elastizität: Stellen Sie sich vor, Ihre Software sei ein Haus, das heute die perfekte Größe hat – aber morgen schon zu groß oder zu klein sein kann. Glücklich, wer da flexibel rückbauen oder erweitern kann, ohne gleich umziehen zu müssen. Auch Software sollte aus diesem Grund immer elastisch sein, um auf volatilen Märkten und angesichts einer mitunter schnell wechselnden Bedarfslage erstens eine kurze Time to Market und zweitens eine möglichst lange Lebensdauer zu erzielen.

Es wäre vermessen zu behaupten, dass nicht auch Standardsoftware den Erfordernissen an Usability, Performance und Skalierbarkeit Rechnung trägt. Wer indes sehr spezielle Prozesse abbilden bzw. weiterentwickeln oder sich einfach nur vom Markt absetzen möchte, ist mit einer frei gestaltbaren Individualsoftware sicher sehr gut bedient.

Hybridität: Nichts ist, wie es scheint

Die scharfe Trennung zwischen Standard- und Individualsoftware lässt sich in der Praxis gleichwohl nicht dogmatisch aufrechterhalten. Denn zum einen lassen sich beide Ansätze kombinieren, zum anderen sind die Übergänge fließend.
Dort, wo Standardsoftware angepasst wird, enthält sie Elemente von Individualsoftware. Und im umgekehrten Fall greift Individualsoftware ihrerseits auf Standards zurück – beispielsweise auf Bibliotheken, Frameworks und dergleichen mehr. Es ist also auch hier nicht so, dass das Rad jedes Mal neu erfunden würde. Die Annahme, Individualsoftware sei wenig normiert und deshalb ein Risiko, erweist sich folglich als Vorurteil, das der Praxis nicht standhält.

Was lernen wir daraus?

Um die beste Lösung zu erzielen, lohnt sich ein genauer Blick auf den jeweiligen Business Case. Handelt es sich z. B. um Gehaltsabrechnungen oder einen ähnlich standardisierten Prozess, gibt es mit Sicherheit ein sehr gutes Standardprodukt am Markt.

Haben wir es demgegenüber mit einem Anwendungsfall zu tun, der sehr speziell ist oder mit dem wir sich der Softwarebetreiber positiv von seinen Wettbewerbern absetzen will, zahlt es sich unbedingt aus, die Software von Anfang an selbst zu entwerfen. Die Freiheit, die ihm das bietet – von der Definition der Anforderung über den iterativen Prozess der Entwicklung bis hin zur Verfeinerung der Features und Funktionen – ist unübertroffen.

Oft kommt es indes vor, dass Kunden zu Beginn gar nicht recht einschätzen können, was genau ihr Business Case erfordert. Für diese Fälle gilt: Lassen Sie sich beraten. Von Menschen mit der nötigen Erfahrung und dem erforderlichen technischen Know-how.

Jule Witte

Jule Witte

Presse & Kommunikation
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