Softwareentwicklung

Girls Go Informatics – ein Erfahrungsbericht

: Bianca Untermann berichtet über ihre Eindrücke als Tutorin beim IT-Workshop Girls Go Informatics.

Girls Go Informatics April 2019

Schon während meines Mathematikstudiums fiel mir der hohe Männeranteil in den klassischen MINT-Fächern auf. Seither beschäftigt mich der geringe Frauenanteilen in diesen Bereichen immer wieder. Umso mehr freue ich mich, dass ich dieses Mal bei „Girls Go Informatics“ als Tutorin dabei sein durfte.

Stimmungsbild einholen

Zu Beginn des Workshops haben wir die Mädchen gefragt, mit welchen Erwartungen und Gefühlen sie in den Workshop gekommen sind. Viele von ihnen erhofften sich, nicht nur etwas zu lernen, sondern auch ein bisschen Spaß zu haben. Eine verständliche Erwartung, wenn man bedenkt, dass die Mädchen dafür Ferienzeit opfern, die sie sonst vermutlich mit Freunden verbringen würden. Einige von ihnen blickten darüber hinaus auch schon in ihre berufliche Zukunft und sahen den Workshop als Entscheidungshilfe, wie diese Zukunft aussehen könnte. Die ein oder andere Teilnehmerin gab aber auch zu, noch gewisse Zweifel und Ängste zu haben, ob sie überhaupt Talent für die Programmierung besäße. Leider eine ganz typische Besorgnis, die sich oft aus dem Vorurteil speist, Informatik sei Männersache.

Berührungsängste abbauen, Selbstbewusstsein stärken

Ich selbst kenne diese Bedenken nur zu gut. Auch ich ertappte mich zu Beginn meines Studiums dabei, mich vom Selbstbewusstsein der männlichen Kommilitonen einschüchtern zu lassen. Auch beim Berufseinstieg blickte ich neuen Aufgaben immer mit gemischten Gefühlen entgegen: Neugier und Freude auf der einen, Angst vor dem Scheitern auf der anderen Seite. Erst im Laufe der Zeit und durch zunehmende Erfolgserlebnisse ließ dieses Unwohlsein nach.

Deshalb ist mir auch ganz klar bewusst: Damit die Mädchen ihre Hemmschwelle überwinden, müssen sie sich am Programmieren ausprobieren! Nur so können sie erfahren, dass sie ebenso wie die Jungs in der Lage sind, Programme zu schreiben und dabei Spaß zu haben. Der Workshop ist daher eine sehr gute Möglichkeit, solche unbegründeten Ängste zu nehmen. Und sicherlich kann er einen Beitrag dazu leisten, dass sich die Mädchen einen Berufsweg in der Informatik vorstellen können.

Die Teilnehmerinnen lernten im Workshop elementare Grundlagen der Programmierung kennen und vertieften ihre neu erworbenen Kenntnisse anhand von Übungsaufgaben, unter Anwendung der Programmiersprache Processing. Das große Highlight des Workshops war es aber, ein erstes eigenes Spiel zu programmieren. Das haben zum Schluss auch alle Teilnehmerinnen mit Bravour gemeistert.

Interesse an Informatik weiter fördern

Beeindruckend war die schnelle Auffassungsgabe der Schülerinnen und ihre Fähigkeit, ihr soeben erst erworbenes Wissen direkt in ihre ersten eigenen Programme umzusetzen. Als interessant empfand ich auch die Vielfältigkeit der Mädchen. So nannte beinahe jede Teilnehmerin ein anderes Lieblingsfach in der Schule, aber alle zeigten Interesse an Informatik – eine Neugier, die wir mit Workshops wie „Girls Go Informatics“ weiter bestärken wollen.

Zum Ende des dreitägigen Workshops baten wir alle Teilnehmerinnen um ein kurzes Feedback. Viele waren begeistert davon, wie viel sie in dieser kurzen Zeit lernen konnten. Ihre Erwartungen, dass sie in den vier Tagen auch jede Menge Spaß haben werden, sahen sie auch ausnahmslos als erfüllt an. Von irgendwelchen Ängsten sprach niemand mehr.

Girls Go Informatics April 2019
Die Teilnehmerinnen von Girls Go Informatics im April 2019

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„Girls Go Informatics“ ist ein Gemeinschaftsprojekt des MINT Werra-Meißner-Kreises e.V., der Universität Kassel und der Micromata GmbH. Der Workshop richtet sich an junge Mädchen der Jahrgangsstufen 10 bis 13, um ihnen erste Einblicke in die Informatik zu ermöglichen. Er findet zweimal jährlich in den Oster- und Herbstferien an der Universität Kassel statt. Hier ein Bericht über die Workshop-Ausgabe vom Oktober 2018.

Bianca Untermann