Projektmanagement

Erfolgreich agil arbeiten. Teil zwei: Die Scrum-Vorteile

: Alle wollen agil sein, doch nicht jedem gelingt der Kulturwechsel. Projektleiterin Julia Hartung erklärt, worauf es ankommt. Teil zwei.

Erfolgreich agil arbeiten Teil 2

Agilität ist ein Zauberwort, aber kein Hexenwerk. In dieser dreiteiligen Serie über agile Projektmanagement-Methoden und Scrum als das bekannteste Framework, wollen wir den Nutzen noch einmal für alle skizzieren, die agiler werden wollen. Wir starteten im ersten Teil mit den allgemeinen Vorteilen, um uns in Teil 2 und 3 mit den mentalen Voraussetzungen und wichtigsten Zutaten zu befassen.

Teil zwei: Was bringt es, agil zu sein?

Agiles vs. klassisches Projektmanagement
Agiles und klassisches Projektmanagement im Vergleich

Die Vorteile von Scrum

Scrum als agile Projektmanagement-Methode kommt bei der Entwicklung von Software häufig zum Einsatz. Das liegt nicht zuletzt daran, dass viele Software-Projekte sich in komplexen Bereichen bewegen, in denen zu Beginn der Entwicklung noch nicht abschließend geklärt ist, was am Projektende rauskommen soll.

Scrum hilft dabei, sich mit emergenten Praktiken der besten Lösung anzunähern und so den Nutzen für den Anwender zu optimieren. Da bei Scrum anders als bei klassischen Projektmanagement-Methoden der Scope eines Projektes bis zum Schluss flexibel bleibt, stehen die Bedürfnisse des Nutzers jederzeit im Vordergrund und der Projektplan passt sich flexibel an diese an.

Es gibt viele gute Gründe sich in einem komplexen Projekt für Scrum als Methode zu entscheiden. Hier sind die (aus unserer Sicht) wichtigsten:

 

Vorteile von Scrum


Scrum steigert die Sichtbarkeit von Arbeitsergebnissen und ermöglicht Feedbackschleifen

Hände hoch, wer diese Situation kennt: Ihr habt wochenlang an einem Kundenprojekt entwickelt, dessen Spezifikation zu Projektbeginn vermeintlich fest definiert war. Am Ende liefert ihr stolz das Ergebnis ab – aber der Auftraggeber ist wenig begeistert, weil er sich das ganz anders vorgestellt hat. Beide Seiten sind entsprechend enttäuscht und das Projekt gilt als gescheitert.

Mit Scrum wäre das so wahrscheinlich nicht passiert, da die Umsetzung des Scopes in Sprints erfolgt. Nach Ablauf jedes Sprints wird ein Zwischenergebnis präsentiert und vom Auftraggeber abgenommen. Laufen Dinge nicht so wie erwartet, kann dies bei jedem Sprint Review angesprochen und, wenn nötig, der Kurs geändert werden. Scrum bietet also viel mehr Möglichkeiten für Feedbackschleifen und euer Projekt behält die Anpassungsfähigkeit permanent bei.


Scrum ermöglicht eine schnellere Markteinführung

Durch diese Transparenz ermöglicht Scrum nicht nur eine bessere Qualitätskontrolle bei den einzelnen Inkrementen, sondern auch eine schnellere Markteinführung. Denn in der agilen Entwicklung ist es ausdrücklich erwünscht und erlaubt, mit einer zunächst noch schlanken, aber funktionstüchtigen Erstversion des Produktes an den Markt zu gehen, dem so genannten Minimal Viable Product. Die Wertschöpfung beginnt mit Scrum also wesentlich früher als bei der klassischen Entwicklung, weil das Produkt viel früher in Betrieb genommen wird. Das Feedback der Nutzer auf euer veröffentliches MVP fließen selbstverständlich in die Entwicklung der kommenden Versionen mit ein und steigern damit den Wert für den Nutzer.


Scrum senkt das Investitionsrisiko

Nicht zuletzt senkt der Einsatz von Scrum damit auch das Investitionsrisiko für den Auftraggeber. Während bei der klassischen Entwicklung die Zielvorgaben von Anfang an feststehen müssen, werden sie in der agilen Entwicklung erst nach und nach geschärft. Kein Problem, denn der Arbeitsfortschritt im Projekt ist von Anfang an und permanent sichtbar. Das Risiko, an den Bedürfnissen der Nutzer und des Marktes vorbei zu programmieren, sinkt damit schon in der frühen Projektphase signifikant.


Outcome statt Output: Scrum steigert den Nutzwert

Scrum stellt das gängige Wasserfallmodell des klassischen Projektmanagements buchstäblich auf den Kopf. Während ersteres gleich zu Beginn der Entwicklung einen fertigen Scope formuliert und diesen dann stur abarbeitet, öffnet Scrum im Laufe der Entwicklung den Blick für das, was der Nutzer nachweislich wirklich braucht – und lässt das in die Weiterentwicklung einfließen. Nicht das Befolgen des Projektplans steht im Vordergrund, sondern die Bedürfnisse der Nutzer. Dabei helfen auch empirische Einblicke, die durch das frühe Go-live von einzelnen Arbeitsergebnissen ermöglicht werden.


Resultat

Ein mit Scrum entwickeltes Produkt ist am Ende wesentlich nutzerfreundlicher als ein auf klassischem Wege entwickeltes Produkt – einfach, weil während der Entwicklung genug Spielraum war, neue Erkenntnisse und Ideen einfließen zu lassen und so den Nutzwert signifikant zu steigern.

Lesen Sie auch Teil eins und Teil drei des Dreiteilers „Erfolgreich agil arbeiten“ und erfahren Sie, welche Projektmanagement-Methode für welches Projekt sinnvoll ist.

 

Julia Hartung